Autoscheiben tönen: Was ist erlaubt, was verboten?

VerstoßBußgeldPunkte
Bauart­genehmigung nicht mitgeführt10 €
Fahren bei einge­schränkter Sicht10 €
Fahrzeug nicht vorschrifts­mäßig im Straßen­verkehr geführt25 €
… mit Beein­trächtigung der Verkehrs­sicherheit90 €1

Wann getönte Autoscheiben ein Bußgeld nach sich ziehen

Immer mehr Fahrer beschließen, ihre Autoscheiben zu tönen.
Immer mehr Fahrer beschließen, ihre Autoscheiben zu tönen.

Sie ermöglichen ein edleres Erscheinungsbild, bieten Schutz vor UV-Strahlen und sorgen gleichzeitig für weniger Hitze im Fahrzeuginneren – getönte Autoscheiben gewinnen bereits seit Jahren nicht nur in der Tuning-Szene immer mehr an Beliebtheit. Den einen kommt es lediglich auf das mysteriöse und stilvolle Aussehen an, für die anderen spielt der Sonnenschutz im Auto eine wichtige Rolle.

Es existieren generell zwei Möglichkeiten der Autoscheibentönung:

  • Tönungsfolie am Auto anbringen
  • Austausch der Scheiben gegen getönte Gläser

Entgegen der Meinung einiger Fahrer sind der Fantasie jedoch durchaus Grenzen gesetzt, wenn sie ihre Autoscheiben tönen möchten. Nicht alle Veränderungen sind erlaubt oder bringen Vorteile; manche ziehen unter Umständen sogar ein Bußgeld nach sich. Doch wer entscheidet, was verboten ist?

Welche Vorschriften bei der Scheibentönung beachtet werden müssen, welche Autofenster Sie überhaupt tönen dürfen und welche Kosten dabei entstehen, können Sie unserem Ratgeber entnehmen. Zusätzlich erfahren Sie, was auf Sie zukommt, wenn Sie Ihre Autoscheiben nicht ordnungsgemäß tönen.

Welche Scheiben darf ich tönen?

Es ist verboten, die Windschutzscheibe oder die Seitenscheiben vorne zu tönen.
Es ist verboten, die Windschutzscheibe oder die Seitenscheiben vorne zu tönen.

Welche Autoscheiben Sie tönen dürfen und welche nicht, regelt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). In § 40 StVZO heißt es dazu unter anderem:

Scheiben aus Sicherheitsglas, die für die Sicht des Fahrzeugführers von Bedeutung sind, müssen klar, lichtdurchlässig und verzerrungsfrei sein.“

Dies bedeutet, dass Sie weder an der Frontscheibe noch an den vorderen Seitenfenstern rechts und links am Auto eine Tönungsfolie anbringen dürfen.

Eine solche könnte zu wenig Licht hindurchlassen, die Sicht des Fahrers verzerren oder anderweitig einschränken. Ist dieser nicht in der Lage, die Fahrbahn ausreichend einzusehen, kann dies für ein höheres Unfallrisiko sprechen und eine Gefährdung im Verkehr heraufbeschwören.

Eine durchsichtige Folie hingegen, die an den vorderen Seitenfenstern angebracht ist, kann unter Umständen erlaubt sein. Sollte es zu einem Bruchschaden kommen, sorgen Folien dieser Art dafür, dass das Glas zusammengehalten wird.

An der Windschutzscheibe sind sie jedoch verboten, da sich Blasen oder Wellen bilden könnten, die eine einwandfreie Sicht des Fahrers verhindern. Es ist daher gesetzlich nur erlaubt, die Heckscheibe sowie die hinteren Autoscheiben zu tönen. Werden Sie bei Zuwiderhandlungen erwischt, kann ein Verwarngeld von 10 Euro drohen. Wird die Sicherheit im Verkehr aufgrund Ihres Fahrzeuges beeinträchtigt, können jedoch auch ganz schnell 90 Euro sowie ein Punkt in Flensburg fällig werden.

Scheiben tönen: Mit oder ohne Folie?

Wie bereits erwähnt, können entweder der Austausch der Scheibe oder das Anbringen von Folien vorgenommen werden, um die Autoscheiben zu verdunkeln. Bei jeder Variante existieren jedoch gewisse Punkte, die beachtet werden müssen. Welche das sind, erklären wir im Folgenden.

Scheiben gegen getönte Gläser austauschen

Getönte Autoscheiben sind in der Tuning-Szene keine Seltenheit.
Getönte Autoscheiben sind in der Tuning-Szene keine Seltenheit.

Wenn Sie sich dazu entschließen, die Autoscheiben nicht zu tönen, sondern gegen neue auszutauschen, ist vor allem eines von zentraler Wichtigkeit: die allgemeine Bauartgenehmigung (ABG).

Durch sie kann sichergestellt werden, dass die neuen Teile am Kfz den geltenden europäischen Vorschriften entsprechen.

Ob eine Genehmigung für die neuen, getönten Scheiben vorliegt, erkennen Sie an einem Prüfzeichen, welches in einer der unteren Ecken eingeprägt ist. Dieses Zeichen wird häufig als ECE-Genehmigung, ABG-Nummer oder EG-Typgenehmigung bezeichnet.

Auf das Prüfzeichen sollten Sie auch aus dem Grund achten, dass kein Automodell dem anderen bis aufs Blut gleicht. Kleine Abweichungen gibt es immer. Lassen Sie die jeweilige Typgenehmigung aus den Augen, könnte es sein, dass die getönten Autoscheiben zu groß oder zu klein sind und daher nicht in den Rahmen Ihres Fahrzeugs passen. Dies hätte eine Schädigung der Karosserie zur Folge.

Bei den neuen Scheiben fürs Fahrzeug können Sie zwischen verschiedenen Stufen auswählen und so den Abdunklungsgrad festlegen, der Ihnen am ehesten zusagt. Beachten Sie dabei jedoch unbedingt, dass das Modell Ihrer Wahl über einen ausreichenden UV-Schutz verfügt, um dem im Auto gewünschten Sonnenschutz gewährleisten zu können. Zudem sollten die Autoscheiben aus Sicherheitsglas bestehen. Plexiglasscheiben sind nicht erlaubt und können sogar der Grund dafür sein, dass Ihr Fahrzeug keine TÜV-Plakette erhält.

Übrigens: Wenn Sie sich für einen Austausch entscheiden, anstatt die Autoscheiben zu tönen, sollten Sie dies auf keinen Fall selbst in die Hand nehmen. Da dem Otto-Normal-Fahrer meist das nötige Know-How fehlt, könnten das Fahrzeug oder die Scheiben einen irreparablen Schaden davontragen. Der Einbau durch einen Profi ist hier also obligatorisch.
Auch eine Sonnenschutzfolie darf im Auto nur von innen angebracht werden.
Auch eine Sonnenschutzfolie darf im Auto nur von innen angebracht werden.

Autoscheiben mittels Folie tönen

Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Autoscheiben zu folieren. Auch hier ist es besonders wichtig, dass es sich nicht um billige Folien handelt.

Ausschließlich Tönungsfolien, die über eine Bauartgenehmigung verfügen, sollten verwendet werden, um die Autoscheiben zu tönen. Ansonsten könnte Ihr Kfz im schlimmsten Fall sogar seine Betriebserlaubnis verlieren.

Es kann außerdem sein, dass die Tönungsfolie nicht richtig passt, wenn Sie sich nicht an der jeweiligen ABG-Nummer orientieren. Diese ist in der Regel in der Folie eingeprägt und muss von außen gut zu erkennen sein, sobald sie angebracht wurde. Folien mit Bauartgenehmigung sind übrigens bereits passend für das jeweilige Automodell zugeschnitten.

Auch bei der Scheibentönung haben Sie freie Auswahl. Je nachdem, ob Sie sich eher eine leichte oder doch eine fast lichtundurchlässige Tönung wünschen – durch die passende Folie kann dies erreicht werden. Ein besonderer Hingucker ist eine sogenannte Spiegelfolie, die für eine starke Abdunkelung im Innenraum sorgt, nach außen hingegen silbern spiegelt.

Was viele Autofahrer nicht wissen: Tönungsfolien dürfen ausschließlich von innen angebracht werden! Zudem sollte ein Abstand von mindestens einem Millimeter zwischen Scheibeneinfassung bzw. Gummidichtung und Folie liegen, wenn Sie Ihre Autoscheiben tönen möchten. Im Normalfall bieten professionelle Fachwerkstätten oder auch Autoglaser ein solches Verfahren an.
Kann man Autoscheiben auch selber tönen?
Scheiben tönen: Welche Kosten sind möglich?
Scheiben tönen: Welche Kosten sind möglich?

Diese Möglichkeit besteht zwar, ist aber nicht empfehlenswert. Wenn Sie Ihre Autoscheiben selber tönen, ist die Gefahr ziemlich hoch, dass sich Blasen bilden. Ein professionelles und sauberes Ergebnis erreichen Sie eher, wenn Sie bei Ihrem Auto die Scheiben vom Profi tönen lassen.

Dieser gibt Ihnen meist sogar eine Garantie, falls sich nach einer gewissen Zeit doch ein Teil der Folie löst.

Lassen Sie Ihre Autoscheiben tönen, sind Kosten von etwa 300 Euro beim Fachmann zu erwarten. Arbeiten Sie bei der Scheibentönung in Eigenregie, kommen Sie wohl zunächst billiger davon, müssen jedoch bei möglichen Ausbesserungen erneut in die Tasche greifen; vom Ergebnis mal abgesehen.

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