Kieferbruch: Schmerzensgeld bei Frakturen des Ober- und Unterkiefers

Von Sascha D.

Letzte Aktualisierung am: 9. Juli 2024

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Lockere Zähne und Fehlstellungen sind oft die Konsequenz

Wann können Sie bei einem Kieferbruch Schmerzensgeld geltend machen?
Wann können Sie bei einem Kieferbruch Schmerzensgeld geltend machen?

Wirken mechanische Kräfte plötzlich enorm auf den menschlichen Kiefer ein, kann dieser brechen. Bei einer Schlägerei oder einem Verkehrsunfall ist meist der Oberkiefer betroffen; Stürze auf den Kopf oder gezielte Tritte ziehen wiederum häufig eine Unterkieferfraktur nach sich.

Festgestellt wird ein Kieferbruch üblicherweise durch eine Röntgen­untersuchung. Die Symptome reichen von starken Schmerzen über eine Fehlstellung des Kiefers bis hin zu lockeren Zähnen.

Schwellungen und Einblutungen sind ebenfalls möglich. Betroffene sollten bei Verdacht auf einen Kieferbruch in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. In diesem Ratgeber informieren wir Sie darüber, wann Sie bei einem Kieferbruch Schmerzensgeld geltend machen und mit welcher Entschädigungssumme Sie ungefähr rechnen können.

FAQ: Schmerzensgeld bei Kieferbruch

Wann steht mir bei einem Kieferbruch Schmerzensgeld zu?

Anspruch auf Schmerzensgeld besteht, wenn Ihnen der Kiefer infolge einer Gewalteinwirkung oder eines fremdverschuldeten Unfalls gebrochen wird.

Wie viel Schmerzensgeld erhalte ich bei einem Kieferbruch?

Dies hängt immer vom Einzelfall ab. Die Schmerzensgeldtabelle hilft Ihnen, sich zu orientieren.

Wie sollte ich bei der Durchsetzung von Schmerzensgeld vorgehen?

Den Antrag können Sie beim Schädiger oder dessen Versicherung stellen. Sollten diese nicht reagieren, folgte eine Klage beim Zivilgericht. Es ist empfehlenswert, sich hierbei von einem Anwalt beraten zu lassen.

Wann besteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld bei einem Kieferbruch?

Im schlimmsten Fall kann ein Kieferbruch nur durch eine Operation behoben werden. Geschädigte müssen also nach einer Fraktur des Kiefers einiges über sich ergehen lassen, um ihren Kauapparat wieder wie gewohnt nutzen zu können. Aber rechtfertigt dies bereits den Anspruch auf Schmerzensgeld?

Schmerzensgeld bei einem Kieferbruch erhalten Sie z. B. nach einem unverschuldeten Unfall.
Schmerzensgeld bei einem Kieferbruch erhalten Sie z. B. nach einem unverschuldeten Unfall.

Dieser ist in Deutschland im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. § 253 BGB zufolge kann bei einem Kieferbruch Schmerzensgeld beantragt werden, wenn dieser der geschädigten Person durch eine Fremdeinwirkung zugefügt wurde.

Handelte es sich beispielsweise um einen unverschuldeten Verkehrsunfall, muss die Versicherung des Verursachers die jeweilige Schmerzensgeldsumme übernehmen, um das Opfer so zu entschädigen.

Bei einem Kieferbruch hängt das Schmerzensgeld bzw. seine Höhe von verschiedenen Faktoren ab. Es kommt immer auf die individuellen Umstände des Falls an, daher muss die Entschädigungssumme stets in einer Einzelfallentscheidung festgelegt werden.

Kiefer gebrochen: Wie viel Schmerzensgeld ist möglich?

Faktoren, die bei der Festsetzung der Höhe des Schmerzensgeldes eine Rolle spielen, sind beispielsweise die Art bzw. Schwere der Verletzung, die Dauer der benötigten Heilbehandlung und mögliche Folge- bzw. Dauerschäden. Demzufolge zieht ein doppelter Kieferbruch normalerweise mehr Schmerzensgeld nach sich.

Möchten Geschädigte bei einem Kieferbruch Schmerzensgeld beantragen, können sie sich entweder mit der Versicherung des Schädigers außergerichtlich über die Höhe der Entschädigungssumme einigen oder diese in einer entsprechenden Verhandlung vor Gericht von einem Richter festsetzen lassen.

Schmerzensgeld: Ein doppelter Kieferbruch rechtfertigt meist eine höhere Summe als ein einfacher.
Schmerzensgeld: Ein doppelter Kieferbruch rechtfertigt meist eine höhere Summe als ein einfacher.

In beiden Fällen kommt eine sogenannte Schmerzensgeldtabelle zum Einsatz.

Eine solche enthält Urteile aus der Vergangenheit sowie Entschädigungs­summen, die bei Verletzungen ähnlicher Art gezahlt werden mussten.

Doch wie hoch fällt bei einem Kieferbruch nun das Schmerzensgeld aus? Folgende Tabelle bietet eine grobe Orientierung:

VerletzungSchmer­zensgeld­summeGericht / Jahr
(Akten­zeichen)
Unterkiefer­gelenk­fraktur7.000 €OLG Saar­brücken / 2011
(Az. 5 U 56/10)
Doppelte Oberkiefer­fraktur nach Faustschlag, wodurch sich nahezu der gesamte Oberkiefer verschob8.000 €LG Flensburg / 2008
(Az. 4 O 314/07)
Schwere Gesichts­schädel­trümmerfraktur mit Verletzungen an Wange, Nase, Stirn und Oberlippe, Oberkiefer­fraktur und Verlust eines Zahnsca. 30.000 €OLG Koblenz / 1999
(Az. 12 U 729/98)
Unterkiefer­fraktur mit Nerv­verletzung16.000 €OLG Dresden / 2011
(Az. 4 U 1744/08)
Unterkiefer­fraktur, mehrere kleine Schürf­wunden an Kopf und Armca. 500 €LG München / 1998
(Az. 31 S 862/98)
Beschließen Sie, nach einem Kieferbruch Schmerzensgeld zu beantragen, sollten Sie sich im Vorfeld von einem Rechtsanwalt beraten und sich von ihm bei Ihrem Vorhaben unterstützen lassen. Durch die Hilfe von einem erfahrenen Anwalt stellen Sie sicher, dass Sie nicht unbegründet eine geringere Summe erhalten, als sie Ihnen eigentlich zustehen würde.
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Über den Autor

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Sascha D.

Sascha ist aufgrund seines rechtswissenschaftlichen Studiums an der Universität Greifswald ein Experte auf seinem Gebiet. Seit 2017 unterstützt er die Redaktion von bussgeldrechner.org mit seinem profundem Hintergrundwissen. Dabei stellt er sicher, dass seine Artikel inhaltlich fundiert und präzise sind.

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