Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren – wie funktioniert das genau?

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Mobile Messung aus dem fahrenden Wagen

Eine Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren kann unbemerkt erfolgen.

Eine Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren kann unbemerkt erfolgen.

Geschwindigkeitsüberschreitungen gehören auf deutschen Straßen zum Alltag. Ebenso häufig wie Verkehrsverstöße aufgezeichnet werden, erhalten Autofahrer auch einen Bußgeldbescheid zugeschickt, der ein drohendes Bußgeld, Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot anordnet. Aber wie werden die Verstöße genau erfasst?

Neben den typischen Radarfallen, die durch Blitzerkästen am Straßenrand auffällig werden, gibt es noch viele weitere Methoden, eine Geschwindigkeitsüberschreitung zu entdecken. Eine davon stellt die Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren dar. Aber wie funktioniert das genau? Und können in diesem Fall trotzdem Fehlmessungen die Folge sein?

Mit folgenden Geräten erfolgt die Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren

Mobile Messung durch die Polizei

Eine Geschwindigkeitsmessung per Nachfahren wird nicht angekündigt.

Eine Geschwindigkeits­messung per Nachfahren wird nicht angekündigt.

Durch ein Videonachfahrsystem wird Polizeibeamten die Möglichkeit gegeben, aus dem fahrenden Wagen heraus Geschwindigkeiten anderer Fahrzeuge zu messen und diese mithilfe einer kombinierten Videokamera aufzuzeichnen.

Dabei wird ein Steuergerät an das Tachometer des Einsatzfahrzeugs angeschlossen und somit mit der Geschwindigkeitsanzeige gekoppelt.

Durch den Weg, den das Tachometer vorgibt und die parallel dazu gemessene Zeit kann die Geschwin­digkeit des vorausfahrenden Fahrzeugs ermittelt werden. Um die Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren erfolgreich einzusetzen, gibt es drei unterschiedliche Methoden der Polizeibeamten, die im folgenden Abschnitt erläutert werden sollen:

  1. Die Geschwindigkeitsmessung erfolgt auf einer gleichbleibenden Messstrecke. Die Länge dieser Strecke ist den Beamten bekannt. Sollte das Polizeifahrzeug nun von einem schnelleren Fahrzeug überholt werden, startet die Messung. Die Geschwindigkeit des Messfahrzeugs bleibt auf der Strecke gleich. Durch den bekannten Parameter der Streckenlänge und der ermittelten Zeit wird dann die Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeugs errechnet.
  2. Bei der zweiten Messvariante wird auf einer bestimmten Strecke ein konstanter Abstand zum zu schnell fahrenden Fahrzeug gehalten. Zwei markante Punkte markieren jeweils den Beginn und das Ende der Messung. Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, das dem Einsatzwagen vorausfährt, kann dann durch die bekannten Werte Geschwindigkeit und Weg errechnet werden.
  3. Die dritte Methode beinhaltet keine komplette Strecke, sondern nur bekannte Start- und Endpunkte. Das Messfahrzeug hält zwischen diesen Punkten immer den gleichbleibenden Abstand zum zu messenden Wagen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen Start- und Endpunkt ergibt dann die gefahrene Geschwindigkeit des Verkehrssünders, wenn der Abstand immer gleichbleibend ist.

In allen Fällen zeichnet bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren eine Videokamera den Verstoß auf. Dieser Film kann später die Beweisgrundlage für die Geschwindigkeitsüberschreitung bei der zuständigen Bußgeldbehörde bzw. vor Gericht sein.

Welche Toleranz ist bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren festgelegt?

Normalerweise gilt bei Radargeräten, Lichtschranken oder Lasermessgeräten immer die gleiche Toleranz von 3 km/h bzw. 3 %. Bei Messverfahren durch Videonachfahrsysteme allerdings ist das anders.

Bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h wird ein Wert von 5 km/h abgezogen, bevor ein Bußgeldbescheid wegen der Geschwindigkeitsüberschreitung ausgestellt wird. Fährt das Fahrzeug schneller als besagte 100 km/h, sind es 5 % Toleranz.

Fehlmessungen durch das Videonachfahrsystem

Eine Messstrecke kann ungültig sein, wenn sie weniger als 300 Meter lang ist.

Eine Messstrecke kann ungültig sein, wenn sie weniger als 300 Meter lang ist.

Können auch bei einer Geschwindig­keitsmessung durch Nachfahren Messfehler auftreten? Ja, genau wie bei allen anderen Messverfahren der Geschwindigkeitsüberwachung ist es auch bei dieser mobilen Methode möglich, dass Geschwindigkeiten nicht genau aufgezeichnet werden oder das Messgerät nicht einwandfrei funktioniert.

Aber was ist in solchen Fällen zu tun? Kann ein Bußgeldbescheid angefoch­ten werden, der durch eine Fehlmessung initiiert wurde? Die folgende Übersicht soll verdeutlichen, welche Fehler bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren möglich sind.

Ungenauer Tachometer

Da das Steuergerät mit dem Tachometer des Einsatzfahrzeugs verbunden ist und dieses für die Berechung der Geschwindigkeit wichtig ist, muss es richtig eingestellt sein, um eine fehlerfreie Messung des betroffenen Fahrzeugs zu erhalten.

Ungültige Eichung

Ebenso müssen der Zeitmesser genau wie der Tachometer gültig geeicht sein. Beide Daten können dem Eichschein entnommen werden. Sollte keine gültige Eichung vorliegen, müssen in der Regel bis zu 20 % Toleranz vom gemessenen Geschwindigkeitswert abgezogen werden, damit die Messung überhaupt gewertet werden kann.

Falsche Messpunkte

Sollten die Bezugspunkte für die Messungen als Start- bzw. Endpunkte falsch gewählt werden, ist die Messung ebenfalls ungültig. In diesem Fall kann es leicht passieren, dass die Strecke zu kurz ausfällt bzw. kürzer, als dies vorher gemessen wurde.

Falscher Abstand

Bei einigen Messmethoden ist ein konstanter Abstand zwischen Messfahrzeug und verfolgtem Wagen zu halten. Wird dieser zwischenzeitlich über- oder unterschritten, so verfälscht die Messung der Geschwindigkeitsüberschreitung.

Länge der Messstrecke

Die Messstrecke darf eine Länge von 300 Metern nicht unterschreiten. Nur so kann gewährleistet werden, dass keine kurzzeitigen Ausreißer für die angegebene Geschwindigkeit ausschlaggebend waren. Die Strecke sollte mindestens 500 Meter lang sein, damit die Messung tatsächlich als zuverlässig gewertet werden kann.

Das Tachometer muss eine gültige Eichung bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren haben.

Das Tachometer muss eine gültige Eichung bei der Geschwindigkeits­messung durch Nachfahren haben.

Zudem können bei der Auswertung der Messung Fehler auftreten, die einen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid rechtfertigen können.

Sollten Sie einen solchen Bescheid erhalten, können Sie alleine oder mithilfe eines Anwalts Einspruch erheben, damit beispielsweise ein eventuell drohendes Fahrverbot abgewendet werden kann.

Das kann besonders dann wichtig werden, wenn Sie beruflich auf Ihren Führerschein angewiesen sind.

Auch eine Akteneinsicht seitens des Anwalts kann dann zur Sichtung der Beweismaterialien hilfreich sein.

Was kann sonst noch gemessen werden?

Wird ein Fahrzeug der Polizei durch einen Verkehrssünder überholt, der zu schnell unterwegs ist, kann die Videoaufnahme aus dem Auto heraus per Knopfdruck gestartet werden.

Videoaufnahmen werden nur für einen kurzen Zeitraum zur Datenauswertung und Ermittlung des Verkehrssünders gespeichert und danach gelöscht. Das ist besonders aus Datenschutzgründen wichtig.

Ein spontaner Einsatz des Messsystems ist also möglich. Dadurch, dass die Messung aus der Fahrt heraus erfolgt, können Verkehrssünder leicht auf frischer Tat ertappt werden. Aber können nur Geschwindigkeitsverstöße durch das Nachfahrsystem ermittelt werden?

Die Antwort lautet nein, denn: Neben der Geschwindigkeitsmessung, die durch das Nachfahren erfolgen kann, können auch Abstandsverstöße ermittelt werden. Denn: Im Polizeifahrzeug ist nicht nur eine Frontkamera installiert, sondern auch eine Heckkamera.

So können hinter dem Wagen fahrende Fahrzeuge ebenfalls überwacht und bei Unterschreitung des Mindestabstands zur Rechenschaft gezogen werden.

Vorteile der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren

Ab etwa 500 Metern Messstrecke kann die Messung als vertrauenswürdig gewertet werden.

Ab etwa 500 Metern Messstrecke kann die Messung als vertrauenswürdig gewertet werden.

Trotz der vielen Messfehler, die auftreten können, gibt es auch viele Vorteile, die solch ein Videonachfahrsystem mit sich bringt. Zum einen ist da die Spontaneität zu nennen, durch die solche Messungen entstehen können.

Können sich Autofahrer auf einen stationären Blitzer im Verkehr vorbereiten, so findet die Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren dank zivilen Polizeiwagen unbemerkt statt. Denn die Kameras können heutzutage nahezu unsichtbar im Auto montiert werden.

Zudem können andere Autofahrer nicht vor der Geschwindigkeitskontrolle warnen. Deshalb sind in diesem Zusammenhang auch Blitzer-Apps unnütz.

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2 Kommentare

  1. Bernhard sagt:

    Bei Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren.
    Ist es erlaubt, dass sich die Polizei dann selbst die Geschwindigkeit überschreiten darf und sich und andere in Gefahr bringt, wenn sie ohne akustischem und optischem Signal hinterherfährt und dann Messungen vornimmt? Meines Erachtens haben sie nur Sonderrechte, wenn sie mit Martinshorn und Blaulicht unterwegs sind, bei einer schweren Straftat schließt dies evtl. dann aus, dies ist bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung aber nicht gegeben.

    mfg Bernhard

    • bussgeldrechner.org sagt:

      Hallo Bernhard,

      bei der Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren handelt es sich um ein anerkanntes Beweisaufnahmesystem, das von den Gerichten entsprechend gewürdigt wird. Diese Form der Geschwindigkeitsmessung darf aus einem Polizei- oder Zivilfahrzeug heraus von der Polizei erfolgen, sodass Sonderrechte auch in diesem Fall zu gewähren sind. Wenden Sie sich bei Zweifeln bitte an einen Anwalt, um zu prüfen, inwieweit sich ein Einspruch gegen einen etwaigen Bußgeldbescheid lohnen könnte.

      Ihr Team von bussgeldrechner.org

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