Schmerzensgeld nach einem Fahrradunfall: Ist das möglich?

Diese Ansprüche haben Radler nach einem Unfall

Dem Statistischen Bundesamt zufolge kam es im Jahr 2015 zu insgesamt 78.068 Verkehrsunfällen, bei denen Fahrrad­fahrer Verletzungen erlitten. Neben den Fuß­gängern zählen sie zu den schwächsten Teilnehmern im Verkehr und bekommen bei einem Zusammenstoß die Aus­wirkungen direkt am eigenen Leib zu spüren.

Wird ein Radfahrer beispielsweise un­verschuldet in einen Unfall mit einem Pkw verwickelt, kann er schwere Verletzungen davontragen.

Diese wiederum können einen Anspruch auf Schmerzensgeld begründen. Bei einem Fahrradunfall mit einem Pkw sind die Verletzungen des Radlers im Regelfall um einiges gravierender, als wenn lediglich zwei Radfahrer miteinander kollidieren. Mit wie viel Schmerzensgeld nach einem Fahrradunfall gerechnet werden kann und ob diese Summe geringer ausfällt, wenn der jeweilige Fahrradfahrer beim Unfall keinen Helm trug, erfahren Sie im folgenden Ratgeber.

Wie hoch fällt das Schmerzensgeld nach einem Fahrradunfall aus?

Der Anspruch auf Schmerzensgeld ergibt sich aus § 253 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Wird demnach die gesundheitliche oder körperliche Unversehrtheit beeinträchtigt, kann dies das Schmerzensgeld nach einem Fahrradunfall rechtfertigen. Wie hoch diese Entschädigung ausfällt, ist gesetzlich jedoch nicht festgeschrieben.

Um das Schmerzensgeld bei einem Fahrradunfall zu bestimmen, kann eine Schmerzensgeldtabelle hilfreich sein.
Um das Schmerzensgeld bei einem Fahrradunfall zu bestimmen, kann eine Schmerzensgeldtabelle hilfreich sein.

Um die Höhe vom Schmerzensgeld zu bestimmen, ziehen die jeweiligen Richter sogenannte Schmerzensgeldtabellen zurate, in denen Urteile aus der Vergangenheit inklusive Entschädigungs­summen festgehalten sind.

Unter Berücksichtigung der Parallelen zum vorliegenden Fall, der entstandenen Schäden und der jeweiligen Umstände kann nach einem Fahrradunfall das Schmerzensgeld anhand folgender Tabelle* individuell bestimmt werden:

VerletzungSchmer­zensgeld­summeGericht / Jahr (Akten­zeichen)
Mehrere Knochen­brüche und Spät­folgen durch nicht angekün­digtes Überhol­manöver mit zu geringem Abstand5.000 €OLG Hamm / 2003
(Az. 6 U 105/03)
Sturz mit Schürf­wunden am Knie0 €AG Wies­loch / 1984
(Az. 3 C 222/84)
Schädel­hirntrauma mit Dauer­schäden nach dem Zusammen­stoß mit einem Hund, der nicht angeleint war75.000 €OLG Hamm / 2001
(Az. 27 U 6/01)
Gehirner­schütterung und Platz­wunde nach der Kollision von zwei Fahrrad­fahrernca. 2.500 €OLG Nürn­berg / 1999
(Az. 8 U 1893/99)
Unter­schenkel­trümmer­bruch und Fraktur des Daumens nach einem Pedalbruch7.500 €LG Olden­burg / 2004
(Az. 8 U 301/04)

*Es handelt sich dabei lediglich um einen Auszug.

Fällt das Schmerzensgeld bei einem Fahrradunfall ohne Helm geringer aus?

Nach einem Fahrradunfall kann das Schmerzensgeld unter gewissen Umständen gekürzt werden.
Nach einem Fahrradunfall kann das Schmerzensgeld unter gewissen Umständen gekürzt werden.

Da die in Deutschland geltende Helm­pflicht sich lediglich an Motorrad- und Kraftradfahrer richtet, Fahrradfahrer also ausschließt, kann ein fehlender Helm normalerweise nicht dazu führen, dass das Schmerzensgeld nach einem Fahrradunfall gekürzt wird.

Jedoch: Dass der betroffene Fahrrad­fahrer keinen Helm trug, hat zwar nicht direkt zum Unfall beigetragen, aber es kann davon ausgegangen werden, dass der Schaden geringer ausgefallen wäre, hätte er einen Helm getragen.

Trug er Verletzungen am Kopf davon, kann es zu einer Verringerung vom Schmerzensgeld nach einem Fahrradunfall kommen. Dies ist darin begründet, dass bei einer vorliegenden Teilschuld auf beiden Seiten die Schadensersatzansprüche zu gewissen Prozentsätzen aufgeteilt werden müssen. Der Schmerzensgeldanspruch wird jedoch nicht gesplittet. Um eine mögliche Mitschuld feststellen zu können, sollte in jedem Fall die Polizei nach einem Unfall zwischen Fahrrad- und Pkw-Fahrer hinzugezogen werden.

Möchten Sie Ihren Anspruch auf Schmerzensgeld nach einem Fahrradunfall durchsetzen, kann es sich durchaus empfehlen, einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Dieser kann Sie von vornherein beratend unterstützen und Ihnen zur Seite stehen, wenn die Ihnen eigentlich zustehende Entschädigungssumme gekürzt werden soll. Die Versicherung des Unfallgegners wird vermutlich alles daran setzen, Ihren prozentualen Schuldanteil zu erhöhen, weshalb ein Anwalt Ihnen dabei helfen kann, um sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen.
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