Unfall ohne Brille – Welche rechtlichen Folgen drohen?

Von bussgeldrechner.org, letzte Aktualisierung am: 4. Mai 2022

Wenn Sie Ihre Brille vergessen und einen Unfall gebaut haben

Unfall und ohne Brille gefahren? Unter Umständen hat dies auch strafrechtliche Konsequenzen.
Unfall und ohne Brille gefahren? Unter Umständen hat dies auch strafrechtliche Konsequenzen.

Beantragen Fahranfänger den Führerschein, müssen viele Unterlagen vorgelegt werden. Hierzu zählt auch ein Nachweis über einen Sehtest.

Benötigten Sie für das Bestehen des Testes eine Sehhilfe, wie beispielsweise eine Brille, wird dieser Hinweis in den Führerschein eingetragen.

Das Tragen der Kontaktlinsen oder der Brille ist dann beim Fahren eines Kfz Pflicht. Doch was passiert, wenn Sie das gute Stück einmal vergessen und dann auch noch an einem Unfall ohne Brille beteiligt sind? In diesem Ratgeber erfahren Sie es!

FAQ: Unfall ohne Brille

Wann ist Ihnen das Autofahren nur mit einer Sehhilfe gestattet?

Ist eine entsprechende Schlüsselzahl in Ihrem Führerschein eingetragen, die Ihnen das Führen eines Kfz ausschließlich mit einer Sehhilfe gestattet, sollten Sie dieser Pflicht unbedingt nachkommen. Die Schlüsselzahl 01.01 steht dabei für eine Brille, Kontaktlinsen wiederum beschreibt die Schlüsselzahl 01.02.

Was passiert, wenn man ohne Brille fährt?

Werden Sie dabei erwischt, wie Sie ohne Brille ein Kfz steuern, obwohl die entsprechende Schlüsselzahl in Ihrem Führerschein eingetragen ist, leisten Sie sich eine Ordnungswidrigkeit, die ein Verwarnungsgeld von 25 Euro nach sich zieht.

Welche Folgen kann ein Unfall ohne Brille haben?

Schlimmstenfalls kann Ihnen grobe Fahrlässigkeit bzw. fahrlässige Körperverletzung oder Tötung vorgeworfen werden, wenn Sie einen Unfall verursacht haben, weil Sie ohne Brille gefahren sind. In diesem Fall haben Sie eine Straftat begangen, auf die eine Geld- oder Freiheitsstrafe folgen kann. Ihre Versicherung hat in einem solchen Fall zudem das Recht, die Übernahme der entstandenen Kosten zu verweigern.

Ist das Autofahren ohne Sehhilfe erlaubt?

Fahrer, die in der Spalte 12 des EU-Führerscheins eine Schlüsselzahl stehen haben, müssen ihre Sehschwäche beim Autofahren durch eine Sehhilfe ausgleichen. Hält Sie die Polizei im Straßenverkehr an und Sie tragen beispielsweise die eingetragene Brille nicht, fällt ein Verwarngeld von 25 Euro an.

Ist bei einem Brillenträger im Führerschein eine Sehhilfe eingetragen, sollte dieser eine Zweitbrille im Auto aufbewahren. Doch wie sieht es aus, wenn Sie mit dem Auto fahren, ohne Brille und einen Unfall verursachen? Gibt Ihnen die Versicherung automatisch eine Teilschuld? Greift dann der Versicherungsschutz noch?

Die Folgen bei einem Unfall ohne Brille

Ggf. springt die Haftpflicht­versicherung nach einem Unfall ohne Brille nicht ein.
Ggf. springt die Haftpflicht­versicherung nach einem Unfall ohne Brille nicht ein.

Nach § 276 Bürgerliches Gesetzbuch unterliegt jeder Teilnehmer des Straßenverkehrs einer Sorgfaltspflicht. Wer diese verletzt, handelt unter Umständen fahrlässig. Kommt es zu einem Unfall ohne Brille, kann dem Betroffenen vorgeworfen werden, dass er seine Sorgfaltspflicht verletzt hat.

Schlimmer noch: Je nach Unfallhergang und Konsequenzen, kann Ihnen auch eine grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Verletzen Sie durch den Unfall ohne Brille eine Person, droht eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung. Nach § 229 Strafgesetzbuch (StGB) steht hierauf eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Kommt bei dem Unfall ohne Brille eine Person zu Tode, kann Ihnen gar fahrlässige Tötung vorgeworfen werden. Hierfür sieht das StGB in § 222 eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Darüber hinaus drohen laut Verkehrsrecht ein Bußgeld, ein Fahrverbot und drei Punkte in Flensburg.

Was sagt die Versicherung?

Normalerweise übernimmt nach einem Unfall die Versicherungdie entstehenden Kosten, wie die der Reparatur. Der Unfall ohne Brille kann allerdings als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden. In diesem Fall übernimmt die Versicherung keinerlei Kosten und Sie müssen diese selbst tragen.

Darüber hinaus gilt eine grobe Fahrlässigkeit, hierzu zählt auch das Fahren ohne Brille und ein Unfall, als Obliegenheitsverletzung. Die Vollkaskoversicherung versagt dann den Schutz. Die Schäden an Ihrem Auto müssen Sie also selbst tragen. Die Haftpflichtversicherung darf den Versicherungsnehmer bis zu 5.000 Euro in Regress nehmen.

Außerdem kann sich der Versicherer bei einem Unfall ohne Brille nicht nur auf den § 28 des Versicherungsvertragsgesetzes berufen, sondern auch auf den § 26. Laut diesem Recht ist die Versicherung ebenfalls nicht verpflichtet, den Schaden zu regulieren, wenn der Versicherungsfall nach einer Gefahrerhöhungauftritt.

Fahren Autofahrer ohne Brille und ein Unfall ist die Folge, drohen nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch die Versicherung kann ihren Schutz versagen.

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